Dienstag, 2. August 2016

Nähreich vs. Nähchaos - zu Besuch bei Rosa P.

Wer auch mal für sich selbst ein Kleidungsstück näht, kennt ganz sicherlich die wunderbare Rike, aka Rosa P., Buchautorin der beiden Bücher "Ein Schnitt, vier Styles" und "Näh Dir Dein Kleid". Seit Anfang des Jahres entwirft Rosa P. auch Schnittmuster für lillestoff und wir können Euch schonmal so viel verraten - Ihr dürft gespannt sein und Euch freuen!

Heute geht unsere kleine virtuelle Reise also nach Freiburg zu Rosa P. und wir schauen mal, wo all Ihre wunderschönen Kleider und Ideen zu neuen Schnitten ihren Ursprung haben.

"Nähreich vs. Nähchaos - der Blick durchs Schlüsselloch" 



1. Wer bist Du und wie bist Du zum Nähen gekommen?

Ich bin Rike und blogge seit 9 Jahren auf rosa p.. Ich lebe mit dem Mannsbild, dem jüngsten meiner 5 Kinder, unseren beiden Hunden und den beiden Katzen im Dreisamtal vor den Toren Freiburgs. 
Seit Anfang des Jahres arbeite ich bei Lillestoff und bin für die Schnittentwicklung zuständig.

Ich nähe schon seit meiner Schulzeit.  Meine Mutter besaß eine quietschorange und grundsolide Pfaff aus den Siebzigern und ich durfte sie benutzen.
Mein erstes Kleid entwarf ich in der elften Klasse, ein ziemlich weites und von der Konstruktion her eher schlichtes Oversize Modell aus einem Stoff, den ich aus der Provence mitgebracht hatte. Es folgten Stufenröcke und Karottenhosen mit Gummizug. Es tobten die achtziger Jahre und ich mit ihnen: an der Nähmaschine.
Kurz vor der Geburt meiner ältesten Tochter im Oktober 87 kaufte ich mir meine erste eigene Nähmaschine und stieg in die  Kinderbekleidungsproduktion ein. 
 Die Auswahl an Stoffen und erst recht an Schnittmustern war damals noch ausgesprochen bescheiden, und so entwarf ich viele der Modelle selbst. 
Ein paar Jahre später, nach der Geburt meines mittleren Sohnes, hatte ich dann schon eine eigene Nähecke und war stolze Besitzerin meiner ersten Overlock.
Meine erste Kinderkollektion bot ich damals einem großen Kinderfachgeschäft an und sie wurde prompt genommen. Das hat mich damals natürlich ungeheuer angespornt.
Meine Kinderschar wuchs und  meine Zeit wurde knapper. Aber ich nähte: Kleidchen und Höschen, Walldorffpuppen und Patchwork Decken.

Und irgendwann waren meine Kindern dann, schneller als ich schauen konnte, erwachsen.
Aber noch immer nähe ich für sie. Und zu meinem großen Glück werde ich im späten Herbst Großmutter und arbeite nun schon an der Garderobe und Ausstattung für die nächste Generation.


2. Was machst Du, wenn Du nicht nähst? 

Mein Hobby ist mein Beruf: ich nähe. Jeden Tag. Die Grenzen sind da dann natürlich sehr fließend, zumal meine Werkstatt ja auch bei uns im Haus ist.

Nähe ich einmal nicht, werde ich garantiert mit den Stricknadeln in der Hand gesehen. Zu jedem Kleid braucht frau ja schließlich die passende Strickjacke.

Nähe oder stricke ich nicht, experimentiere in unserer Küche und koche mich durch meine vegetarische Kochbuchsammlung. Im Moment stehen vegane Rezepte hier im Hause ganz hoch im Kurs.

Dann ist da noch unser Garten, in dem wir, obwohl er wirklich klein ist, allerhand Essbares anbauen. Von Trauben und Tomaten über Paprika und Kräutern ist alles drin. Das Klima im Südwesten macht es möglich. Die Nachbarn witzeln schon und sprechen davon, dass wir eine zweite Etage brauchen.

Bücher lasse ich mir mittlerweile, weil ich die Hände ja immer brauche, vorlesen. Ich liebe deshalb Hörbücher!



3. Was ist für Dich beim Nähen unverzichtbar?

Ganz klar: meine Nähmaschinen. 
Ich nähe auf modernen Elna Maschinen ( excellence 760 pro, overlock 664 pro und easycover), liebe aber auch meine altgedienten Schätzchen. 
Ebenso wichtig sind mir meine Bügelstation und meine Rollschneider samt Schneidematte und Patchworklineale und gutes Licht.


4. Wann ist Deine liebste Nähzeit?

Am liebsten nähe ich in den frühen Morgenstunden. Da kann ich alle Ideen, die ich in beim Aufwachen im Kopf hatte, sofort umsetzen.



5. Was nähst Du am liebsten?

Das ist für alle, die mir auf meinem blog folgen, wahrlich keine überraschung: Jerseykleider für mich und meine Töchter.
Mittlerweile ist allerdings auch das Mannsbild auf den Geschmack gekommen und ich darf ihn mit Shirts, Hoodies und Hosen benähen.



6. Was ist für Dich in Deinem Nähzimmer unverzichtbar?

Ruhe und Ordnung. 

7. Zeig uns Dein liebstes "Nähhelferlein"

Ich bin da irgendwie „oldfashioned“. Außer den üblichen Utensilien wie verschiedene gut geschliffene Scheren,  Nähmaschinen- und Stecknadeln und qualitativ gutem Nähgarn, brauche ich keine besonderen Helfer. 



8. Welche Tipps hast Du für mehr Ordnung im Nähzimmer?

Ich fürchte ja, da hilft nur: Struktur schaffen und aufräumen, aufräumen, aufräumen. Und aussortieren: nur was ich wirklich brauche, darf in der Werksatt bleiben. 

Ich sortiere meine Stoffe in einem offenen Regal, so dass ich immer im Blick habe, was sich in meinem Vorrat befindet.

Meine Garnkonen stehen farblich sortiert griffbereit auf einem schmalen Regal. 
Schnitte und Nähzeitschriften bewahre ich beschriftet in durchsichtigen  Stehsammlern aus Plexiglas auf.

In Schubladen verschwinden Zutaten wie Gummibänder, Bügeleinlagen und Reißverschlüsse. 

Verlasse ich abends meine Werkstatt, räume ich immer, wirklich immer alles auf. Nichts ist schlimmer für mich, als morgens mit dem Kopf voller neuer Ideen die Überbleibsel der Projekte des letzten Tages verräumen zu müssen.



9. Was würdest Du jemanden mit auf den Weg geben, der sich ein Nähzimmer einrichten möchte?

Egal wie groß dein Zimmer  oder deine Nähecke ist: es sollte gut ausgeleuchtet sein und Platz für deine Maschinen, ein Bügelbrett und einen Zuschneidetisch haben. Tolle Inspirationen findest du bei PINTEREST. Dort gibt es zum Beispiel Anleitungen für den Bau von Zuschneideinseln , die ein integriertes Stoffregal haben. So kannst du deinen Platz opitmal ausnutzen.


Kommentare:

Angela Hipp hat gesagt…

Sehr beeindruckend, ich mag den Ordnungsaspekt und kann ihn nur bekräftigen! Als bekennende RosaP. Kleidernäherin und - Trägerin gefällt mir diese Biografie sehr gut und möchte mich an dieser Stelle mal herzlich bedanken für all die schönen Schnitte und Ideen!!!
Ein sehr Interessantes "Interview " !!!
Liebe Grüße von Angela

Kjole Pynt hat gesagt…

Vielen Dank für den tollen Einblick ! Den Blog Rosa P. habe ich vor zwei Jahren auf der Suche nach einer Häkeldecke entdeckt. Die schönen Schnitte sind immer wieder sehenswert und das Nähzimmer ist einfach traumhaft !
Liebe Grüße Eva