Dienstag, 18. Oktober 2016

Eine Schneiderin auf Wanderschaft

Wir hatten heute interessanten Besuch bei lillestoff. Okay, den haben wir jeden Tag, wenn unser Lagerverkauf und unser Nähcafé geöffnet sind. Aber manchmal kommt eben auch ganz auch außergewöhnlicher Besuch. So wie heute.

Heute hatten wir nämlich Besuch von Ann-Kathrin, einer Wanderschneiderin auf der Walz, die zusammen mit anderen Handwerkern auf der Walz ein Rotgewerkschaftsteffen bei dem Mitmachzirkus Circolino Pipistrello veranstaltet.

Was ist die Walz?

Die Walz ist eine Tradition nach erfolgreich abgelegter Gesellenprüfung auf eine mehrjährige Wanderschaft zu begeben. Diese Tradition wird ausgeübt von Vereinigungen wie das Bauhauptgewerbe (z.B. Dachdecker), das Lebensmittelgewerbe (z. B. Bäcker, Köche und Bierbrauer), das Holzgewerbe (z.B. Schreiner und Tischler) und eben auch textile und farb- und formgebende Gewerbe, wie Schneider, Seiler, Schuhmacher, Maler und Korbflechter. Aber auch Gesellen der Metall- und Mineralgewerke gehen zum Beispiel auf die Walz.

Voraussetzungen für die Walz

Um nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung auf Wanderschaft gehen zu dürfen, darf man das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, muss man schuldenfrei und ledig sein. Die Nationalität spielt keine Rolle, aber deutschsprachig muss der Geselle auf der Walz sein. Erst seit den 80ern dürfen auch Frauen auf Wanderschaft gehen und es schließen sich immer mehr freistehende Gesellen an, die keiner Vereinigung angehören.

Ziel der Walz

Das Ziel der Walz ist die berufliche Weiterbildung. Mit 5 Euro in der Tasche begibt sich der Junggeselle in Begleitung eines erfahrenen Gesellen und in zünftiger Kluft ((schwarzer Hut, Stenz und Wanderstock (Charlottenburger und der traditionelle Reisebündel)) auf seine Reise, die drei Jahre und einen Tag dauert. Dabei darf der Geselle nicht näher als 50 km an seine Heimatstadt reisen.

In Form einer "Soli-Baustelle" geben die Gesellen etwas an die Gewerkschaft zurück, indem sie für Kost und Logis soziale Zentren, Schulen  und ähnliches unterstützen. Die so genannten Rothandwerker, zu denen auch die Schneider gehören, unterstützen den Mitmachzirkus Circolino Pipistrello.

Circolino Pipistello - ein Mitspielzirkus

Der Circolino Pipistrello, der ursprünglich für ein Sommerprojekt ausgelegt war, wurde 1981 ins Leben gerufen und ist mittlerweile der größte Mitspielzirkus der Schweiz.
Der Mitspielzirkus bietet einwöchige Projektwochen für Schulen und Kindergärten, aber auch für Senoren oder Menschen mit Behinderung. Der Circolino Pipistrello ist ein Non-Profit-Unternehmen, das ausschließlich auf die Einnahmen aus Projektwochen und Showeintritten und von Spenden lebt.

Vielen Dank an Ann-Kathrin für den bereichernden Besuch heute bei lillestoff!


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