Dienstag, 15. November 2016

Nähreich vs. Nähchaos - zu Besuch bei et voilà

Wir hatten schon die unterschiedlichsten Nähzimmer dabei in unserer Blogreihe - Nähreich vs. Nähchaos. Vom Atelier, über von vorne bis hinten durchorganisiertem Nähzimmer über bunt gemixten Patchworkzimmer bis hin zu einer kleinen, aber feinen Ecke im Wohnzimmer war alles dabei. 

Das heutige Näzimmer, das wir Euch vorstellen, befindet sich auf hoher See. Die liebe Katrin von et voilà nimmt sich derzeit zusammen mit ihrem Freund ein Sabbatjahr und segelt mit ihrem Boot Herr Nilson um die Welt. 

"Nähreich vs. Nähchaos - der Blick durchs Schlüsselloch"



Wer bist du und wie bist du zum Nähen gekommen?

Ahoi Ihr Lieben! Ich freue mich, dass Ihr heute mal in mein „schwimmendes Nähzimmer“ schaut! Ich bin Katrin und lebe „normalerweise“ im Rhein-Main-Gebiet. Aktuell machen mein Partner und ich allerdings ein Sabbatjahr und wohnen/reisen auf einem Segelschiff Richtung Süden. Neben dem Tanzen, ist das Nähen mein großes Hobby. So groß, dass mein Partner mich überredet hat, die Nähmaschinen und das Zubehör mit auf die Reise zu nehmen. Ich war da zunächst eher skeptisch, ob es genug Platz und Gelegenheiten zum Nähen geben würde und ob meine heißbeliebten Nähutensilien unter der Meeresluft und dem Geschaukel nicht zu sehr leiden würden. Glücklicherweise habe ich mich überzeugen lassen und genieße es nun sehr, hier so viel Zeit zum Kreativ-sein zu haben. Bisher reicht auch der Platz und den Maschinen geht es so weit auch gut.
Zum Nähen bin ich schon ziemlich früh gekommen. Meine beiden Omas und meine Mutter haben auch schon viel genäht und ich habe daher schon als Kind gesehen, wie erfüllend so ein kreatives Hobby sein kann. Ich habe dann irgendwann die alte Nähmaschine meiner Mutter nutzen dürfen und für mich und Freundinnen Karnevalskostüme genäht. Nach einer längeren Nähpause, habe ich dann begonnen Geschenke für die ersten Babys im Freundeskreis nach eigenen Ideen und Schnitten zu nähen und so das alte Hobby für mich wieder entdeckt. Das aktuelle, vielseitige und tolle Angebot an Stoffen, hat in mir die Lust geweckt, auch Kleidungsstücke für mich und andere zu nähen.


Was machst du, wenn du nicht nähst?

Ich arbeite mit ganz viel Leidenschaft und super gerne als Grundschullehrerin. Gerade in der jetzigen beruflichen Auszeit, stelle ich noch mal mehr fest, wie sehr ich diesen Beruf und die dazugehörigen kleinen und großen Menschen, liebe und vermisse! Neben dem Nähen ist das Tanzen mein großes Hobby. Ich tanze seit meinem dritten Lebensjahr (Ballett, Rhythmische Sportgymnastik und zeitgenössischen Tanz) und habe sehr früh angefangen, selbst Mannschaften zu trainieren. Ich schätze die Verbindung von Sport und Kunst, Ästhetik, persönliche Fitness und gleichzeitig Mannschaftssport. 
Und momentan nähe ich nicht, wenn wir größere Etappen segeln oder vor Anker liegen und dann keinen Strom haben. Dann genieße ich Sonne, Meer und viele leibe und interessante Menschen, die man hier trifft.

Was ist für dich beim Nähen Gold wert?

Zeit! Definitiv ist das Zeit. So bald es schnell gehen muss, geht bei mir was schief. Und was ich garnicht leiden kann ist AUFTRENNEN!


Wann ist deine liebste Nähzeit?

Zuhause war das immer abends. Manchmal bis in die Nacht. Es ist mir immer schwer gefallen, mit einem unvollendeten Stück im Kopf, schlafen zu gehen. Jetzt habe ich manchmal so viel Zeit, dass ich einfach ganze Nähtage einlege. Das empfinde ich als puren Luxus.

Was nähst du am liebsten?

Wer sich auf meinem Blog schon ein bisschen umgesehen hat, hat sicher bemerkt, dass das gemütliche Kuschelhoodys sind :). Ich liebe gemütliche Pullis in unterschiedlichsten Formen und Farben. Außerdem nähe ich wirklich gerne Kleider! Ich verändere gerne Schnittmuster und freue mich auch immer auf neue Schnitte.


Was ist für dich in deinem Nähzimmer unverzichtbar?

Auf einige Dinge, die ich zuhause als unverzichtbar empfunden habe, muss ich hier aus Platzgründen verzichten… und trotzdem funktioniert doch alles irgendwie. 
Aber sowohl zuhause, als auch jetzt auf dem Boot, würde ich sagen, ausreichend und gutes Licht ist wichtig. Das ist in einem dunklen, alten Holzboot nicht immer gegeben. Und auch wenn es mir echt schwer fällt, es zuzugeben, nähe ich hier deshalb manchmal mit Stirnlampe. Das war ursprünglich natürlich nicht meine Idee, sondern die meines Outdoor-Abenteuer-erfahrenen Freundes. Es sieht sicher reichlich dämlich aus, aber man hat echt immer da, wo man gerade hinschauen möchte, perfektes Licht! Mal sehen, ob ich diese „Beleuchtungstechnik“ nach dem Jahr sogar zuhause übernehme… natürlich nur, wenn mein Freund nicht da ist, sonst müsste ich ja zugeben, was für eine tolle Idee das war!



Zeig uns dein liebstes Nähhelferlein!

Mein liebstes Nähhelferlein ist tatsächlich mein Partner. Nicht nur, weil er immer wieder meine Nähmaschine (also eigentlich nur meine etwas zickige Overlockmaschine) repariert, mich bei der Stoff- und Schnittwahl berät, inzwischen sogar Säume absteckt, meine gelegentlichen Wutmomente aushält, sich verzieht, wenn ich das komplette Boot als Nähzimmer in Beschlag nehme, den kompletten Haushalt an Nähtagen übernimmt, sondern am Ende auch noch mit ganz viel Geduld meine Nähwerke schön fotografiert. Ich habe auch schon versucht ihn davon zu überzeugen, wie toll es wäre, wenn er Schnittmuster zusammen kleben könnte/würde (das finde ich nämlich den lästigsten Part), das hat bisher aber leider noch nicht geklappt.




Welche Tipps hast du für mehr Ordnung im Nähzimmer?

Puh…Ordnung ist nicht so mein Ding. Dadurch, dass hier alle Räume multifunktional sind (also Schlafzimmer ist Wohnzimmer und Küche und Nähzimmer in einem) muss ich immer direkt nach dem Nähen alles aufräumen und sortieren. Das ist für mich wirklich gut. So bin ich gezwungen Ordnung zu halten und man freut sich ja doch beim Beginn des nächsten Projekts immer, wenn alles an Ort und Stelle und mit einem Handgriff zu finden ist.


Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, der ein Nähzimmer einrichten möchte? 

Nur Mut, mit einem guten System kann es auch an kleinen Orten gelingen, sich genug Raum für das Hobby zu schaffen. Beispielsweise sind meine Stoffe und meine Overlockmaschine in Kisten verstaut, auf denen Nachts ein dickes Polster liegt und so zu meinem Bettgestell werden. Meine Schnittmuster sind in großen DIN A2 Folien, zwischen Seekarten sortiert. Meine Stoffreste stopfen wir bei größeren Touren mit viel Wellengang zwischen Gläser und Flaschen. So sind diese etwas geschützt und es klappert nicht so…


Kommentare:

Anke hat gesagt…

Echt beneidenswert, dass dein Freund dir mit Rat und Tat zur Seite steht. Mein Mann hat noch nicht verstehen wollen, warum ich lieber nähe als zu kaufen. Aber das wird sicherlich irgendwann noch.
Ich ziehe den Hut, wie du auf so doch recht engem Raum solche tollen Dinge mit deinen Maschinen zauberst. Ich verfüge gerade mal über eine uralte Nähmaschine und eine Overlockmaschine und schimpfe schon über zu wenig Platz, zu schlechtes Licht und, und, und.
Ich liebe deine Bilder und natürlich besonders deine Nähwerke.
Viel Spaß noch bei deiner Reise. Erhole dich gut von den Kinder und für die Kinder!
Anke
(ebenfalls Grundschullehrerin ;o))

Azzurra-JT hat gesagt…

Wow!!! Ein Sabbatjahr, das ist ja echt toll, und Du hast echt die Nähma dabei, ich konnte es fast nicht glauben!! Klasse - ein toller Bericht! Gute Reise, viele schöne Stunden und kommt heil und gesund zurück!!! <3 :-)

Astrid Ka hat gesagt…

Das finde ich ja absolut scharf, liebe Kollegin! Meine Sabbatjahre habe ich ohne Nähmaschinen verbracht ( und auch -mit einer Ausnahme - auch nicht auf einem Schiff!
Gute Reise!
Astrid