Dienstag, 8. November 2016

Nähreich vs. Nähchaos - zu Besuch bei Emilea

Wer kennt sie nicht, die umwerfend aussehende Blondine, mit den kurzen Haaren, an der einfach jeder Stoff atemberaubend aussieht? Natürlich ist die Rede von unserer Probenäherin Emilea.

Heute besuchen wir Manu in ihrem bescheidenen Nähreich in Berlin und zeigen Euch, dass man nicht immer ein riiiiiesen Zimmer für sich braucht, um die tollsten Sachen zu nähen.

"Nähreich vs. Nähchaos - der Blick durchs Schlüsselloch"


Wer bist Du und wie bist Du zum Nähen gekommen?


Hallo! Ich bin Manu, 44, aus Berlin und blogge seit August 2015 unter emilea-berlin.blogspot.de. emilea vereint die Namen meiner beiden Kinder, Emil und Lea. 

Meine erste Berührung mit dem Nähen reicht weit zurück in die Kindheit. Die Tretnähmaschine meiner Oma hat mich immer fasziniert. In meiner Jugend gab es dann eine Veritas Maschine und meine ersten Näherfahrungen; learning by doing. Das Nähen für mich wiederentdeckt habe ich nach 25 nähmaschinenfreien Jahren durch eine kleine W6N1800, die meine Tochter 2014 zu Weihnachten bekommen hat...  Mittlerweile durften hier eine Bernina Overlock und eine W6 N3300 Nähmaschine einziehen…

Was machst Du, wenn Du nicht nähst? 

Ich arbeite als Rechtsanwaltsfachangestellte und Büroleiterin in einer Anwaltssozietät.
Neben Job und Familienalltag mit allem, was dazu gehört, bleibt neben dem Nähen Zeit für andere Hobbys derzeit kaum. Grundsätzlich habe ich den größten Teil meiner freien Zeit aber immer schon am liebsten kreativ verbracht; gerne mit Stricken, Häkeln oder Malen.
Und wichtig ist mir auch noch ein gewisses Maß an Sport. Wenigstens einmal die Woche gesundheitsorientiertes Krafttraining im Kieser Studio versuche ich zu integrieren.

Was ist für Dich beim Nähen Gold wert?
Eindeutig das Verständnis des weltbesten Ehemannes, wenn ich hier allabendlich meine Maschinen auf unserem Esstisch aufbaue, unser Wohnzimmer verwüste und versuche, im Takt mit dem laufenden Fernsehprogramm zu nähen… ;)

Wann ist Deine liebste Nähzeit?

Ganz eindeutig abends lautet die spontane Antwort. Genau betrachtet bleibt mir Zeit zum Nähen regelmäßig auch nur, wenn die Kids im Bett sind. Also ab 20 Uhr open end…

Was nähst Du am liebsten?

Alles! ;)
Irgendwie stimmt das sogar, weil es keine festen Lieblingsprojekte gibt. Ich nähe mehr Kleidung - auch für die Kids und meinen Mann - als beispielsweise Taschen. Und dehnbare Materialien für Bekleidung lieber als Webware (weil ich das fertige Teil später nicht bügeln muss ;))

Grundsätzlich mag ich besonders die Abwechslung. Nähen, was mir zu einem bestimmten Stoff gerade einfällt, experimentieren mit Schnittmustern oder Details …
Grundsätzlich mag ich besonders die Abwechslung. Nähen, was mir zu einem bestimmten Stoff gerade einfällt, experimentieren mit Schnittmustern oder Details …

Was ist für Dich in Deinem Nähzimmer unverzichtbar?

Hier wird es interessant, denn ein Nähzimmer habe ich nicht. Genau genommen gibt es hier nicht mal eine Nähecke. Ich baue Overlock und Nähmaschine Tag um Tag auf unserem Esstisch auf und auch wieder ab. 

Dennoch gibt es ein paar unverzichtbare Dinge. 
Platz zum Zuschneiden. Egal, ob auf dem Fußboden oder Esstisch. Vom Zuschneidetisch in einem Nähzimmer träume ich. Zur Verwirklichung meiner Projekte brauche ich ihn aber nicht zwingend, wohl aber ausreichend Platz, meinen Stoff „auszubreiten“
Und ein großer Spiegel. Ich nähe Kleidungsstücke für mich niemals in einem Rutsch durch. Jeder Schnitt sitzt aus jedem Material anders. Anpassungen für das stimmige Ergebnis zur eigenen Figur finde ich normal und wichtig… und einen Spiegel für die Anproben essentiell… 

Zeig uns Dein liebstes „Nähhelferlein“

N°1 ist bei mir ganz klar eine gute Stoffschere. Einen Rollschneider habe ich zugegebenermaßen noch nicht probiert, weil ich so den Platz für eine ausreichend große Schneidematte spare. Ich schneide allerdings auch gerne mit der Schere.

Nicht verzichten kann ich auch auf Kreideräder. Ich zeichne bis auf wenige Ausnahmen die Schnittmuster auf den Stoff, was sicher dem Schneiden mit der Schere geschuldet ist, bei dem naturgemäß ein Zuschnitt in dieser Form viel besser funktioniert.
Und Stecknadeln.Genau genommen „hefte“ ich quasi  Stecknadeln. Ich benutze sie wirklich immer, gerne und viel. Auf wonderclips weiche ich nur bei Materialien aus, die sehr dick sind oder Einstichlöcher auf ewig behalten. 

Welche Tipps hast Du für mehr Ordnung im Nähzimmer?

Mangels Nähzimmer bin ich hier sicher nicht der richtige Ratgeber. Ich MUSS immer ALLES aufräumen.
Meine Maschinen, Stoffe und Nähutensilien sind dort untergebracht, wo sie aufgeräumt „unsichtbar“ sind. Stoffe müssen sich mit den fertig genähten Sachen den Kleiderschrank teilen… 

… sämtliches Nähzubehör und kleinere Reste habe ich in der Nähe meines Nähplatzes in Regalen integriert…

… und meine Overlock wohnt beispielsweise hier… ;) 


Was würdest Du jemandem mit auf den Weg geben, der sich ein Nähzimmer einrichten möchte?

Auch hier kann ich ohne eigenes Nähzimmer nur davon ausgehen, was mir selbst wichtig wäre. Und genau das finde ich auch richtig und wichtig. Es entwickeln sich bei jedem ganz eigene  Vorlieben und Gewohnheiten für ein angenehmes Arbeiten. Genau diese sollten integriert werden.
Für mich wäre das in jedem Fall ein zentraler Zuschneidetisch, autark vom eigentlichen Nähbereich, mit platzsparendem Stauraum unterhalb. Und eine persönliche Note, etwas zum Wohlfühlen und Entspannen beim Nähen. Egal, ob durch Wandfarbe, Postkarten, Bilder oder andere Details.  Den Rest würde ich nach und nach meinen Bedürfnissen anpassen, Schritt für Schritt… 

Grundsätzlich aber legt einfach los und genießt Euer Hobby. Es ist auch ohne Nähzimmer alles möglich ;)

1 Kommentar:

Janine Fink hat gesagt…

Ein ganz wundervoller Beitrag, der wieder einmal zeigt, dass es auch ganz und gar ohne Nähzimmer möglich ist, seinem Hobby nachzugehen. Bewundernswert, wenn man bedenkt, dass doch jeden Tag alles weg- und wieder hergeräumt werden muss. Ich bin von diesem Beitrag jedenfalls total begeistert!! GlG Janine